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Kulturelle Bildung

#dico16 DIRETTISSIMA - THE CONFERENCE - TRANSFER IT.

Heike Roegler

Es war einmal ein Tweet der @Book_Fair mit dem Hinweis auf eine „Neue Medien- und Verlagskonferenz in München“ und die Bitte um einen Retweet. Meine Reaktion: Interessant! Und gerne! 

Womit ich nicht gerechnet habe, war: „Congrats! Gewinner der #dico16-Tickets … “ Das war eine schöne Überraschung. Ich hatte tatsächlich ein Ticket gewonnen. Natürlich habe mich sehr gefreut und gefragt, ob ich wohl tatsächlich dorthin fahren kann? Und was genau habe ich da eigentlich gewonnen?

Gute zwei Wochen später hatte ich ein Flugticket erworben, einen freien Tag organisiert und ab ging es nach München. Sogar mit Sonnenschein. 

So richtig viel Zeit zum Vorabeinlesen gab es nicht für mich und so hatte ich zwar ungefähr eine Vorstellung von der #dico16 (Danke für das Briefing liebe @WWecker) und trotzdem keine so ganz genaue Vorstellung, was mich da erwartete. Ein wirklicher Urlaubstag also mit Zeit zum Erkunden und Entdecken von Dingen, die interessant sind und Spaß machen, lag vor mir. Toll!

Die „Alten Kongresshalle“ war ein schöner und ehrwürdiger Ort für die Konferenz. Das Willkommen war entspannt, die vielen Dinge wie die Lounge, der Speaker Sessel, die Blumen, das Essen und die Getränke, die Galerie der Sprecher … alle haben dazu beigetragen, dass es eine angenehme Atmosphäre gab.

Die Talks haben mich mit ihrem breiten Spektrum an Themen überrascht und inspiriert.
Die DICO hatte sich selbst zum Ziel gesetzt, zum Austausch verschiedener Bereiche anregen. Ich finde, das ist ihr gelungen.

Hier folgt nun mein ganz persönlicher Rückblick auf die Konferenz und ihre Themen.

Talks zu Medien in der Arbeitswelt

Es ging z.B. um neue Arbeitskultur, in der Mensch, Raum und Technologie zu einer guten Teamarbeit führen. Marina Treude @marymicrosoft erläuterte das flexible Arbeitsmodell mit der Vertrauensarbeitszeit und dem Vertrauensarbeitsort bei Microsoft. Denn da man sich von überall vernetzen kann, ist Arbeit neu zu denken. Ganz wichtig dabei ist: Vertrauen! Vertrauen in die neue Arbeitskultur und Vordenker.

Auch @tandemploy setzt auf Vertrauen und Vernetzung und sieht enge Teamarbeit als Chance. Denn Teams, die sich gefunden habe, kommen zu schnelleren Entscheidungen. Flache Hierarchien und Vertrauen ermöglichen nach Tandemploy das Jobsharing mit hoher Flexibilität.

 Talkrunde #dico16

Talkrunde #dico16

Tobias Schwarz @isarmatrose konnte den Aspekt „Vertrauen“ anhand seiner persönlichen Biografie bestätigen. Er erklärte in seinem Talk den „Fourth Space“, den vierten Ort der Arbeit neben dem Zuhause (Freiheit), dem Büro (Struktur) oder Café (Community): den Coworkingspace als Zukunft von Arbeit.
Vertrauen ortsunabhängig arbeiten zu dürfen, wird mit Verantwortung bezahlt. Dazu kommt im Coworkingspace die Professionalität aller am Ort Arbeitenden, die Serendipität hervorbringen kann, also Innovation dadurch, dass man an diesem Ort im Austausch mit den Menschen etwas finden kann, was man vorher gar nicht gesucht hatte. Schwarz’ Reise durch Europa und das Arbeiten an Coworkingspaces schilderte er dabei mit so viel Spaß, dass ich am liebsten auch gleich los gereist wäre.

 Tobias Schwarz #dico16

Tobias Schwarz #dico16

 

Den Aspekt der Geschlechterverteilung durchleuchte Fiona Krankenbürger @Fotografiona mit ihrem Talk „Women in Tech“. Sie hat entgegen aller Stereotype, dass Computer nur was für Jungs sind, programmieren gelernt und spricht in ihrem Blog https://fionalerntprogrammieren.wordpress.com darüber. Interessant ist, dasssich erst seit den 1980ern, seit den PCs, der Anteil der mit Computern arbeiten Frauen so stark reduziert hat. In der Zeit der Homecomputer wurde ein Bild, nämlich das Computer etwas für Jungs sind, stark verbreitet und angenommen. 
Krankenbürger plädiert eindeutig dafür, diese Stereotype zu durchbrechen, programmieren zu lernen und aktuelle Vorbilder zu benennen.

 Fiona Krakenbürger  #dico16

Fiona Krakenbürger  #dico16

 

Medien zwischen Arbeitswelt und Privatem

Anna Dushime @AnnaDushime arbeitet bei Buzzfeed und kennt die digitale Arbeitswelt gut. Über ihre ganz persönlichen Story aus ihrem Leben in Berlin erzählte sie in ihrem Talk „Help!“. Sie erzählte, wie sie einer Familie Geflüchteter aus Syrien begegnete und ihnen schnell, unkompliziert und gezielt durch die digitale vernetzte Gemeinschaft helfen konnte. Um den Begriff „Vertrauen“ auch hier wieder aufzunehmen, kann man hier das Vertrauen in das Netz zurück in die reale Welt gespiegelt sehen.

 Anna Dushime #dico16

Anna Dushime #dico16

 

Talks zum Persönlichen in und mit den Medien

Richard Gutjahr @richardgutjahr prognostizierte einen neuen Trend, er ist nämlich fest überzeugt, dass Snaps die neuen Selfies werden. Aber noch ist es nicht so weit, mal ehrlich, fragte er: „Wer nutzt Snapchat? Und wer nutzt es aktiv?“
Da wurde anhand der Fingerzeige eindeutig eine Diskrepanz zwischen den Nutzern und den Aktiven sichtbar. Also: Noch nutzen wohl nicht so viele unter uns Snapchat. Aber wer würde nicht gerne? In den USA ist Snapchat bereits beliebtester Messanger. Das liegt vielleicht auch daran, dass man dafür nicht mehr als 10 Minuten Aufmerksamkeit braucht. Gutjahr hatte für diese Spanne ein sehr schönes Bild gefunden, einen Goldfisch, mit dem er sich verglich.
Und was ist Snapchat überhaupt? Die Erklärung von Gutjahr ist einfach: Fotos und Chats, raffiniert miteinander verwoben.
Welche Inhalte wie funktionieren, konnten wir ein bisschen anhand der tollen Beispiele erahnen, die uns Gutjahr in seiner sehr unterhaltsamen Präsentation zeigte. Klar, dass ich mir gleich ein paar der Tipps gesnapt habe und inzwischen mehrfacher neuer Fan bin. Wer ähnliche Tipps sucht, sollte sich mal auf snapgeist.com umsehen.
Snapchat hat interessanterweise und nach Gutjahr auch klugerweise die Monetarisierung gleich mit eingebaut. Es gibt „sponsored filters“, commercial lenses“ und man kann „replays kaufen“. Klar definierte Angebote eben.
Durch die Art der Präsentation ist snapchat privater. Im Vergleich dazu kommt Twitter für Gutjahr wie die DPA daher. Das macht es persönlicher und erklärt vielleicht auch die Stars, die Snapchat inzwischen hervorgebracht hat.

 Richard Gutjahr #dico16

Richard Gutjahr #dico16

 

Um das Persönliche in den sozialen Medien ging es auch bei Ralph Guensch @felgenralle, dessen Thema die „1. Liga im Netz“ war. Als ehemaliger Fußballprofi berät er Kollegen zu ihrer Präsenz im Netz.  Denn, Social Media verkürzt die Distanz zwischen den Sportlern und den Fans.
Und auch in diesem Talk konnten wir auf sehr kurzweilige Art und Weise Beispielen aus dem Netz folgen. Gelungenen und weniger gelungenen Beispielen.
Werbung und Authentizität sind problematisch, aber durchaus möglich. Schlecht ist es, wenn der direkte Austausch fehlt. Hier reagieren die Follower schnell.

 Ralph Guensch #dico16

Ralph Guensch #dico16


Wibke Ladwig @sinnundverstand hat sich ebenfalls der Personalität angenommen, aber aus einem spannenden weiteren Blickwinkel, nämlich „der digitalen Welt als Bühne“.
Gleich zu Beginn ihres Talks hat sie den Saal zum chorischen Sprechen gebracht. Wobei deutliche Unterschiede der Flügel in Schwung und Lautstärke auszumachen waren. Auf welcher Seite ich gesessen habe, sage ich jetzt hier aber nicht. :-)
In der Social Media Welt treffen wir auf den spiegelnden Menschen. Es geht laut Ladwig darum, eine eigene Wirklichkeit zu schaffen, eine Art digitale Szenografie. Wie auf den Bühnen geht es dabei um Gefühle und Gedanken, die eine Verbundenheit schaffen.

Ein Punkt, an den Klaus Eck @klauseck mit seinem Vortrag gut anschließen konnte.  Er erklärte, wie man „Mit digitaler Empathie Stakeholder“ erreicht.
Zunächst einmal verwies er auf einen ganz einfachen und doch so wichtigen Punk: „Wir sind digital und alles wird digital“. Klaus Eck betont dies so besonders, weil wir digital sind, das aber einfach nicht „wissen“ bzw. wahrnehmen.  Und doch verändert sich mit der Digitalisierung unsere Wahrnehmung.
Empathie entwickelt sich im sozialen Kontext, der aber im Digitalen verändert daher kommt, einfach weil sich unser Kommunizieren dort verändert (siehe @sinnundverstand, @richardgutjahr …).
Es geht also darum, den neuen Kontext zu verstehen, digitale Empathie zu lernen. Es geht darum, wie schon Wibke Ladwig sagte, die Kommunikation zu spiegeln (Beispiele finden sich auch im Vortrag von @felgenralle).
Wie das gehen kann? Schließlich erzeugt das Internet auch viele Missverständnisse. Man muss laut Eck online mehr für ein gemeinsames Verständnis kommunizieren. Es gibt Hilfen, z.B. den # , der für einen gemeinsamen Kontext steht. 
Jeder Inhalt bietet die Chance, Nähe herzustellen. Das heißt aber auch, für digitale Nähe muss man sich selbst präsentieren (siehe @felgeralle „Authentizität“). Das erzeugt oft Angst vor Kontrollverlust.
Eck verweist auf „Empathie-Maschinen“ wie Snapchat, Facebook oder Twitter. Denn für ihn gehören Networking und digitale Empathie zusammen. Es geht darum, die Perspektive des Anderen einzunehmen und uns selbst digital erreichbar zu machen. Denn ohne eine Persönlichkeit kann es keine Empathie geben.

Um die Persönlichkeit, die hinter einem Blog steht, ging es auch bei Theresa Lachner @lvstprinzip, die in ihrem Talk „Schnitzel oder Blowjob“ über das emotionale Branding sprach. Lachner als Journalistin aus den Printmedien kommend betreibt den Blog www.lvstprinzip.de, auf dem sie „mit dem Sex“ und nicht über ihn redet. Es geht ihr auf dem Blog um keine Bewertungen, sondern ganz einfach um ihre persönliche Ansicht zu verschiedenen Themen rund um den Sex. Die Reaktionen, die sie bekam, hatten alle einen gemeinsamen Nenner: endlich.
Lachner, in den Printmedien ebenso wie in den sozialen Medien zuhause, sagt, dass Bloggen viel direkter (und damit persönlicher) als der Printjournalismus ist. Nischen sieht sie sogar als Vorteil an, denn dort ist eine Verbindung zu Anderen - mit gleichen Interessen - möglich. „Es gibt dort draußen immer mindestens einen Freak, der genauso denkt wie du. Das ist das Tolle an social media.“ Und von guten Freunden nimmt man gerne einen Tipp an.
Auch hier ist wieder festzustellen, dass Ehrlichkeit die Verbindung schafft. Um es mit Lachner zu sagen: „Ihr werdet den richtigen Leuten gefallen.“

Und was verändert sich trotz einer digital vernetzten Zeit nicht? Das „echte“ Treffen, also in Person, das ist immer noch unschlagbar fand Leander Wattig @leanderwattig. Daher stelle er sich die Frage, wie man „Mit Vernetzung Zukunft gestalten“ kann.
Er hat „was mit Büchern gemacht“, den Virenschleuderpreis  erfunden, den Orbanism Space initiiert.
Warum bloggt er nicht einfach „nur“, zeigt content? Wattig ist sich sicher, dass persönliche Treffen bleibt auch in der Zukunft unschlagbar. Aber Technik und ihre Nutzung kommen dem immer näher (siehe @marymicrosoft). Die Tools oder auch die „Empathie-Maschinen“ wie Eck sie nennt, schaffen immer mehr Annäherungen. Wattig hat sich also gefragt, wie man solche Bindungen aufladen kann, wie also eine Reichweite erzeugt werden kann? Seine Antwort ist einfach: durch persönliche Verbindungen.
Die Innovation entsteht durch die Neukombination. Events müssen auf den Menschen hin Design werden. Der emotionale Rahmen entsteht am besten durch Echtkontakt.
Daraus entsteht das Fazit: Jedes Unternehmen ist ein Medienunternehmen. Jedes Medienunternehmen muss Veranstalter sein.

 Leander Wattig #dico16

Leander Wattig #dico16

Und ich so?
Ich habe nicht alle Talks hören können, aber die, die hier aufgezählt sind, waren alle sehr inspirierend. Ich finde es spannend, wie sich Mensch, Raum und Technik mischen, wie wichtig dabei Vertrauen und Persönlichkeit sind. Vielen Dank #dico16 für die Möglichkeit zum Austausch, die Anregungen, sich Veränderungen bewusst zu machen. Ich habe Lust auf mehr! Snapchat nutze ich seitdem auf jeden Fall schon mehr.

PS: Und noch etwas ...
Ich war noch nie auf einer Konferenz, auf der es eine Whiskey-Verkostung gab. Chapeau! Das war klasse - und lecker sowieso.