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Kulturelle Bildung

Zur Tagung im Museum Folkwang: Wechselwirkungen – Kunst im Kontext der Inklusionsdebatte

Heike Roegler

Wechselwirkungen war der Titel und das wichtige Thema der Tagung im Rahmen der Feierlichkeiten zum 60. Jubiläum der Lebenshilfe e.V. im Museum Folkwang am 6. und 7. April 2018.

Aufmerksam wurde ich auf sie vor allem aufgrund des Untertitels „Kunst im Kontext der Inklusionsdebatte“.  Die Wechselwirkungen hatten sich mir auf den ersten Blick gar nicht sofort erschlossen. Das hat sich schnell geändert. Sie haben natürlich großen Einfluss auf meine Arbeit in der Vermittlung in einem Museum.

Wechselwirkungen sind das, was ich gerne immer weiter fördern möchte: „Museum als Ort, in dem Menschen zusammen kommen und sich begegnen“  – so brachte es Hans-Jürgen Lechtreck, der geschäftsführende Direktor des Museums Folkwang in seiner Begrüßung in diesem Sinne auf den Punkt.

Begegnungen, die auf der Tagung in verschiedene (Wirkungs-)Felder aufgeteilt waren – von der Produktion bis zur Vermittlung. 

Die Tagung fand unter dem Blickwinkel der Kunst statt und war somit inhaltlich in vier Elemente der Wechselwirkungen in der inklusiven Kunst unterteilt:

– in der Produktion (kollaborativ)

Rachel Mader hat sich in ihrem Vortrag auf eine spannende Zeitreise zu verschiedenen künstlerischen Kollektiven aufgemacht und dessen unterschiedlichen Ausrichtungen aufgezeigt.

Die Gruppen zeigen sich im Unterschied zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts immer vielfältiger und damit auch in ihren Wechselwirkungen (sowohl innerhalb der Gruppe als auch in die Gesellschaft) diverser.

– der Rezeption (als Dialogmittel, Menschenbilder im Dialog, face to face)

„Dieses Tuch ist rot, aber es spielt keine Rolle, dass das Tuch rot ist.“

Zum Thema „Labelling“ betrachtete Viola Luz „Das Aber. Alles im Gleichen“. Ihr ging es in ihrem Vortrag um die Kunst als Gut, als Kommunikationsmittel und die Akteur/innen im Rezeptionsprozess.
Ihre These ist: Die Zuordnung zu „Art Brut“ und „Outsider Art“ ist an Hierarchien gekoppelt.

Letztlich fragt sie, welches Etikett einem Kunstwerk anhaften soll?  Denn Kunst (ein Objekt) steht nicht für sich allein, sondern wird im (gesellschaftlichen) Kontext wahrgenommen.

– der Präsentation ( <kein> Labelling) 

In dem Vortrag „Curatiing Disability. Access and Advocacy“  zeigte Amanda Cachia anhand von ihr kuratierter Ausstellungen, wie Kunst bereits in der Produktion inklusiv sein kann und sollte.

– in der Vermittlung (inklusionsorientiert)

„Inklusion ist etwas, wo individuelle Wege gesucht und gemeinsamer Austausch stattfinden.“
Der Satz von Katrin Dinges, die zum inklusiven Kunstvermittlungprojekt Gruppe Platz da! gehört, fasst die Wechselwirkungen der Vermittlung in einer diversen Vermittlungsgruppe sehr gut zusammen.

Das ist ein Ansatz, der den (inklusiven) Austausch zur Vermittlung (nicht nur für die Vermittlung) fördert und den ich sehr reizvoll finde.

Mein Fazit

Ich finde Wechselwirkungen sehr bereichernd, da sich allen Beteiligten verschiedene Perspektiven bieten. Je vielseitiger, desto besser, desto mehr spiegelt sich unsere diverse Gesellschaft. 

Schon während der Tagung hatte ich das Gefühl, da passiert etwas mit mir, da blubbern Ideen. Und: Da muss ich noch mehr drüber nachdenken. Was kann ich in meine Arbeit übertragen? Wo finde ich mich selbst? Denn das ist ja das spannende, welche Wechselwirkungen erziele ich selbst in meiner Arbeit? Bzw. kann ich noch mehr Wechselwirkungen innerhalb der Vermittlung erzielen? 


Was ich neu dazu gelernt habe und versuche zu fassen, ist der Fokus auf die Produktion, die ich gerne in diesem Rahmen und für mein Feld der Vermittlung in einem historischen Museum auch auf diese beziehen würde. 

Ich meine damit, das Vermittler in ihren Konzeptionen / Ideen zur Vermittlung etwas produzieren, indem sie über das reine Weitergeben von einem Wissensstand hinaus versuchen, Räume der Kommunikation zu schaffen, die zum Austausch und Erfahren einladen.

Und das heißt für meine Arbeit noch mehr als bisher, kommunikativ, kollektiv zu denken und arbeiten. Das Ziel bleibt, aber der Weg dorthin kann noch stärker in seiner Vielfalt sein. Ich finde den Gedanken des kollektiven Prozess in der Konzeption in der Vermittlung spannend. 

Positive Beispiele in diesem Sinne sind die Herbergsmütter, der #artedutalk und weitere Vermittlungskollektive, z.B. der Bundesverband Museumspädagogik, diverse Arbeitsgruppen wie die LinkedIn Gruppen der Europeana usw.

Was ich mich frage, ist, wie weit ich bereits in der Konzeption noch viel mehr außerhalb der eigenen Gruppe arbeiten kann?

Ich hätte große Lust dazu!

Eine Zusammenfassung der Talks folgt hier ...
Produktion 
Rezeption
Präsentation
Vermittlung

Verweise

Amanda Cachia
Curatorial Activism: Amanda Cachia ist Kuratorin von ca. 40 Ausstellungen, die sich mit Fragen sozialer Gerechtigkeit befassen.

Barner16
„… ist ein inklusives Netzwerk professioneller Kulturproduktionen von Künstlern mit und ohne Handicaps.“

CAMP
„CAMP was founded in November 2007 by Shaina Anand, Sanjay Bhangar and Ashok Sukumaran. CAMP is not an "artists collective" but rather a studio, in which ideas and energies gather and become interests and forms. In this process we try to move beyond binaries of art vs. non-art, commodity markets vs. 'free culture', or individual vs. institutional will to think and to build what is possible, equitable, and interesting, for the future.“

Chto Delat

„The collective Chto Delat (What is to be done?) was founded in early 2003 in Petersburg by a workgroup of artists, critics, philosophers, and writers from St. Petersburg, Moscow, and Nizhny Novgorod with the goal of merging political theory, art, and activism.“

Composing Dwarfism

Composing Dwarfism catches the perspective of two contemporary dwarf photographers

EUCREA
„EUCREA wurde 1989 gegründet und ist seit fast dreißig Jahren der Dachverband zur Vertretung der Interessen von Künstlern mit Beeinträchtigungen im deutschsprachigen Raum. Bei den fast 100 Mitgliedern in Deutschland, Österreich und der Schweiz handelt es sich um Künstler mit und ohne Behinderung, Interessenvertretungen, Kunstateliers, Stiftungen u.v.m.“

The Flesh of the world

Was passiert, wenn die Grenzen menschlicher Körper verschoben werden?

„Inspired by the 2015 XVII Pan American and Parapan American Games and the work of the philosopher of phenomenology, Maurice Merleau-Ponty, The Flesh of the World was an exhibition presenting diverse and complex views of the body that might deepen qualities typically associated with competitive sports and games, such as the relationship between the body and technology, and how the senses might offer new forms of knowledge to corporeal performance and potential.“

Group Material

"We're less interested in reflecting than in projecting out into the community“ (Tim Rollins)

Künstlervereinigung 1970 in New York gegründet

Bekannte Mitglieder sind u.a. Doug Ashford, Julie Ault, Tim Rollins, Félix González-Torres, Jochen Klein.

Neue Gesellschaft für Bildende Kunst

„Die 1969 mit basisdemokratischer Struktur gegründete neue Gesellschaft für bildende Kunst (nGbK) ist einer der bedeutendsten und mitgliederstärksten Kunstvereine Deutschlands. Die einzigartige Struktur der nGbK ermöglicht eine direkte Einflussnahme auf die inhaltliche Ausrichtung: Ausstellungen, Interventionen, Rechercheprojekte, Veranstaltungsreihen und Publikationen werden von Mitgliedern in interdisziplinären Projektgruppen entwickelt und von der ersten Idee bis zur Realisierung betreut.“

 

LOUD silence

„This exhibition included prints, drawings, sculptures, videos, audio works and several film installations, and featured work by four artists who have different relationships to deafness and hearing-impairedness.“

Die offene Bibliothek
 „Kunst im Öffentlichen Raum“von Clegg und Guttmann

Thikwa
„Thikwa ist ein künstlerisches Experiment mit behinderten und nichtbehinderten Künstlern. Es ist allerdings auch ein gelungenes soziales Experiment.“

154  Collective

„154 Collective is an international, multi art form group, including Performers, Painters, Writers, Photographers, Animators, Dancers and Musicians. With Collaboration at the heart, we seek to tell stories from unusual and fun perspectives whilst using an array of art forms and approaches to achieve this, including: theatre, exhibition, publications, music, live projections and public art.“

Essen

Wechselwirkungen. Kunst im Kontext der Inklusionsdebatte. Museum Folkwang. 06. und 07. April 2018

 Selfie in Essen

Selfie in Essen

 Wegeführung

Wegeführung

 Klaus Staeck. Sand fürs Getriebe - Ausstellung Museum Folkwang

Klaus Staeck. Sand fürs Getriebe - Ausstellung Museum Folkwang

 Frederik Poppe

Frederik Poppe

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 Rachel Mader

Rachel Mader

 Viola Luz

Viola Luz

 Übersetzung in Leichte Sprache

Übersetzung in Leichte Sprache

 Werkstattraum Museum Folkwang

Werkstattraum Museum Folkwang

Amanda Cachia
 Feierabend

Feierabend

 Frühling in Essen

Frühling in Essen

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 Musikalische Performance Julius Buckelt und Achim Zepezauer - Phase Stifter. 6 1/2 Wochen. Ausstellung Julius Bockelt. Museum Folkwang

Musikalische Performance Julius Buckelt und Achim Zepezauer - Phase Stifter. 6 1/2 Wochen. Ausstellung Julius Bockelt. Museum Folkwang

 Platz da!

Platz da!

 Das Vorm Alfabet.

Das Vorm Alfabet.

 Platz da!

Platz da!

 Aufforderung&nbsp;

Aufforderung 

Park Fiction
von Ch. Schäfer und Cathy Skene

Platz da
Inklusive Kunstvermittlungsprojekt

Silja Korn 
Erste blinde Erzieherin in Deutschland mit Staatlicher Anerkennung
Künstlerin
Kunstvermittlerin

Sweet Gongs Vibrating

„Sweet Gongs Vibrating was a multimedia, multisensory exhibition that broke with the ocularcentric by embracing myriad modes of perception.“

 

 

Tagung "Wechselwirkungen" Museum Folkwang. Zusammenfassung Produktion.

Heike Roegler

Zusammenfassung: Produktion

Dies ist Teil 1 der Talk-Zusammenfassungen zum Post "ZUR TAGUNG IM MUSEUM FOLKWANG: WECHSELWIRKUNGEN – KUNST IM KONTEXT DER INKLUSIONSDEBATTE".

Rachel Mader berichtete mit ihrem Vortrag „Banden bilden und Themen setzen. Kollektive Strategien in der Kunst“ aus der Praxis/Produktion. 

In ihrem Vortrag befasste sie sich mit den Themenfeldern: Gründe und Ziele kollektiver Verbünde, Zusammenarbeit in der Gruppe, Interaktion mit der Gemeinschaft, Auflösung und kollektives Arbeiten als Denkmodell.

Rachel Mader macht in den ca. letzten 15 Jahren eine neue Vielfalt im kollektiven Arbeiten (als attraktive Arbeitsformen) in der Kunst aus. Das sei zunächst einmal durchaus erstaunlich, befand sie, da Kunst bisher oftmals als ein solitäres Arbeitsfeld (Hans Peter Thurn, Soziologe) einzelner Künstlerpersönlichkeiten ausgemacht wird.

Kollektive können Ateliergemeinschafen, Cluster, ein Hub, ein Komplizenschaft, eine Kollaboration, Solidargemeinschaften usw. sein. Dabei finden sich unterschiedliche Ausrichtungen und Ziele der Gruppen, die ihre Positionen und sich selbst neu in der Gesellschaft zu bestimmen versuchen. Sie verorten sich also nicht nur im Kunstbetrieb, sondern gesamtgesellschaftlich.

Die Organisationsformen der Kollektive sind verschieden. So gibt es unterschiedliche Formen der Dazugehörigkeit, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eher streng gehandhabt wurden (Artistic Cell, ein Zentrum der Kommunikation).
Heute ist keine Unterordnung mehr nötig, die Verhältnisse sind teilweise organischer. Damit geht auch einher, dass das Künstlerverständnis (die Rolle) nicht mehr so scharf gefasst sei.

Rachel Mader hat sich in ihrem Vortrag auf eine spannende Zeitreise zu verschiedenen künstlerischen Kollektiven begeben und ihre unterschiedlichen Ausrichtungen aufgezeigt.

Wie schon zu Beginn von ihr erwähnt, zeigen sich die Gruppen im Unterschied zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts immer vielfältiger und damit auch in ihren Wechselwirkungen (sowohl innerhalb der Gruppe als auch in die Gesellschaft) diverser.

Die Zeitreise von Rachel Mader umfasste folgende Beispiele:

Die Brücke

Die Brücke als Künstlerkollektiv 1905 gemeinsam gegen starre Strukturen, als Aufbruch, als ein Anliegen der Jugend gegründet und Wegbereiter des Expressionnismus. Die Zugehörigkeit zur  Gruppe war streng geregelt. Die Kommunikation erfolgte vor allem innerhalb der Gruppe, die mit ihren Werken nach außen strahlt.

Das Künstlerkollektiv „Group Material“ aus New York entstand als eine Art Reaktion auf die Gentrifikation (Kritik gegenüber dem „bohemian ambience“) im East Village 1979  und hat das Ziel die Nachbarschaft mit einzubeziehen.

Den Künstlern der Gruppe war aufgefallen, dass an dem Prozess der Gentrifikation selbst alternative Gallerien beteiligt waren, die zunächst nur günstige Mieten gesuchten hatten. Group Material wollte jedoch nicht  (nur) von billigen Räumen vor Ort profitieren, sondern ihre Umgebung, die Nachbarschaft aktiv einbeziehen, in Kontakt treten und sich mit ihr auseinander setzen (ein kleines Beispiel dafür waren die angepassten Öffnungszeiten (nach Feierabend), wohingegen das Setzen der Themen und das Einbeziehen der Menschen aus der Umgebung dazu voll auf Beteiligung zielten).

Damit ging die Group Material direkt Wechselwirkungen ein, indem sie sich von ihrer Umgebung beeinflussen ließen und eng kommunizierten.

 Chto Delat

Chto Delat

Die Community "Chto Delat" (2013 Petersburg, wörtlich „Was tun?“) setzt auf Bildung im Austausch und nicht als Erziehung. Die russische Gruppe versteht sich als eine Community, die Kunst und (politischen) Aktivismus verbindet.
Die Gruppe gründete eine Art Kunstakademie, die sich einer Schule der engagierten Kunst verschrieb, deren Ziel Bildung durch Austausch mit anderen (russische Kulturpolitik auch im internationalen Austausch) ist.

Vergleicht man dies mit der Group Material umfasst die intendierte Kommunikation von Chto Delat größere Kreise. Sind damit die Wechselwirkungen noch größer, frage ich mich?

Weitere Beispiel, die Rachel Mader aufzählt sind das Projekt „Park Fiction“ aus Hamburg, bei dem vor allem das gemeinsame Arbeiten der Künstler Ch. Schäfer und K. Szene mit den Anwohnern zu nennen ist, die „Offene Bibliothek“ von Clegg und Guttmann für den Kunstverein Hamburg als nicht gelungenes Projekt, weil eben gerade nicht die Bevölkerung einbezogen wurde und CAMP aus Mumbai/Indien, bei dem es ausschließlich um die Anwohner (auf der Grenze zwischen Sozialbausiedlung und Slum in Mumbai) gehen soll(te). Camp versteht sich selbst eher als Ort (zur Selbstproduktion) mit größtmöglicher Flexibilität (Architektur sollte max. veränderbar sein) als als Kunstkollektiv.

Rachel Mader beobachtet also:

„Heute sind die Kollektive offener (weniger hierarchischer) in der Organisation.“ Damit geht einher, dass das Künstlerverständnis in der Rolle heute stärker aufgeweicht ist.

Für sie ist Kunst immer ein Produkt eines Sozialgefüges (immer am Vorgänger orientiert, entsteht nicht aus dem Nichts). Kunst ist daher per se ein Ergebnis von kollektiven Prozessen - wie aufgezeigt auch in der Arbeitssituation.

Die Frage, die sich für mich ergibt ist, ob die heutige Offenheit der Kollektive mit der Veränderung  der Kommunikation und somit auch mit den Möglichkeiten zur Begegnung und der Reichweite  über das Internet einhergeht? 

Neben der schnelleren, gebündelten Kommunikation gibt es Kollektive, die sich explizit über das Netz zusammen gefunden haben (und dort auch gleichzeitig zusammen kommunizieren können). Ein Beispiel dazu wäre das 154 Collective.

"WECHSELWIRKUNGEN" MUSEUM FOLKWANG. ZUSAMMENFASSUNG Rezeption.

Heike Roegler

Rezeption
Dies ist Teil 2 der Talk-Zusammenfassungen zum Post "ZUR TAGUNG IM MUSEUM FOLKWANG: WECHSELWIRKUNGEN – KUNST IM KONTEXT DER INKLUSIONSDEBATTE".

„Dieses Tuch ist rot, aber es spielt keine Rolle, dass das Tuch rot ist.“

Zum Thema „Labelling“ betrachtete Viola Luz „Das Aber. Alles im Gleichen“. Ihr ging es in ihrem Vortrag um die Kunst als Gut, als Kommunikationsmittel und die Akteur/innen im Rezeptionsprozess.
Ihre These ist: Die Zuordnung zu „Art Brut“ und „Outsider Art“ ist an Hierarchien gekoppelt.

Letztlich fragt sie, welches Etikett einem Kunstwerk anhaften soll?  Denn Kunst steht nicht für sich allein, sondern wird im (gesellschaftlichen) Kontext wahrgenommen. 

Viola Luz machte eine „wachsende Wertschätzung“ in der Rezeption aus, wenn es sich um „Aktivitäten von Künstler/innen mit Assistenz handelt“. Dabei werden oftmals von den (Kunst)Betrachter/innen Präsentationsansätze bevorzugt, die die „bestehenden Ansichten bestärken“. „Mediale und kunstkritische Probleme können dabei durch soziale und politisch intendierte Rücksichtnahme verstärkt werden“. Daraus kann sich oft eine „Fokussierung auf therapeutische und soziale Aspekte“ ergeben.

Gerade hierzu findet Viola Luz: „Es obliegt den Kunstvermittlern und Kuratoren sowie den Assistenzen neue Wege für Kunstschaffende mit Assistenzbedarf zu finden“ . Es stellt sich die Frage: mit oder ohne Etikett? Was macht mehr Sinn? Wie lässt sich das Denken bestehender Ansichten durchbrechen?

Handlungsfelder

Inklusion im Museum. Vermittlung, Zugänge und Perspektiven

Heike Roegler

Wenn Zugänge eingeschränkt sind ... können durch Perspektivwechsel andere Zugänge entstehen.

"Ein ganzheitlicher Zugang mit möglichst vielen Sinnen dient aber allen Menschen." (Aus: Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) - Zehn Grundsätze wie man Wissen für sehbehinderte und blinde Museumsbesucher zugänglich macht)

Inklusion und Museen beschäftigt mich in meiner Arbeit von Anfang an. Das dahinter stehende Thema, Zugänge, Transformationen zu finden ist Teil meiner Arbeit. Es ist Teil der Vermittlung. Es geht allgemein um die Frage: Wie kann man etwas zugänglich, verständlich machen?

Wie entstehen Bezüge zum Beispiel zu historischem Ackergerät, wenn man in der Stadt groß geworden ist und Landwirtschaft inzwischen ganz anders funktioniert?

Das heißt, es geht darum, Betrachter, Besucher so anzusprechen, dass sie einen (persönlichen) Bezug zu dem Gezeigten finden. 

Auch wenn also Inklusion schon immer ein Thema für mich ist, gewinnt es gerade noch viel mehr an Bedeutung, da ich nun die Gelegenheit habe noch viel intensiver und konkreter zu arbeiten.
Durch eine Projektförderung der Behörde für Kultur und Medien der Stadt Hamburg bewegen wir im Altonaer Museum das Thema in weiterführenden Schritten bezogen auf die Vierländer Kate. Dazu arbeiten wir mit grauwert.Büro für Inklusion und demografiefeste Lösungen zusammen.

Und das spannende ist, dass das "Wir" gerade immer weiter wächst. Es gibt mehrere Richtungen in die wir denken und über die wir nachdenken - nach innen, mit Kooperationspartnern und in Netzwerken.

Sei es bei einem Walk zur Social Media Week "Sinnstiftend im Museum"  oder beim Nachdenken zum Fest der "Buchentdecker 2018", immer wieder gibt es viel Interesse und Lust zu dem Thema zu arbeiten, sich auszutauschen und gemeinsamen auszuloten, was möglich wäre.

Ich finde das sehr spannend und freue mich über den offenen Austausch mit vielen. Der Wunsch, Perspektiven zu öffnen, erfüllt sich letztlich ja schon im Austausch und ich bin sehr gespannt, was wir in darüber hinaus alles in den ersten weiteren Schritten finden und ermöglichen können und freue mich auf alles, was da kommt. Überraschungen inbegriffen. 

Letzten Montag fand übrigens ein Workshop mit dem Blinden- und Sehbehindjrtenverein Hamburg in der Vierländer Kate statt. Ich konnte leider nicht dabei sein, bin aber schon total gespannt auf das Feedback unserer Gäste und bedanke mich für die Zusammenarbeit.

In loser Folge werde ich zukünftig über weitere Entwicklungen, Entdeckungen und Versuche berichten.

Fotos Dorothee Kaltenbacher (vielen Dank!)

Die Geschichte mit dem Seesack

Heike Roegler

Im Frühjahr habe ich so etwas wie Familientaschen im Victorian and Albert Museum entdeckt und ab da immer zuhause im Altonaer Museum gesagt: Das möchte ich auch.

Und nun sind sie da! Zur Ausstellung "Melbye. Maler des Meeres" probieren wir aus.

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Unterstützt von der Kinderphilosophin Dr. Kristina Calvert und der Poetry Sammlerin Mona Harry haben wir die Seesäcke gefüllt mit Strandgut, Ferngläsern, Kompassen und spannenden Gesprächsanlässen für alle Altersgruppen.

Die Idee ist, mit dem Seesack eine Begleitung für die Ausstellung mitzugeben, die die Gruppe in einen Austausch bringt und einlädt sich auf vielfältige Weise mit der Ausstellung zu befassen.

Ich freue mich sehr, dass wir die Idee umgesetzt haben. So macht das Arbeiten Spaß!

Und hier gleich mal eine Frage aus dem Seesack:

Wie weit muss man von Zuhause weg gehen, um Neues zu entdecken?

Zwei Meter?
Zweitausend Kilometer?
Einen Zentimeter?

Ich glaube ja einen Zentimeter ....

Kultur ist Vielfalt. - Mein Blogbeitrag für die LAG Kinder- und Jugendkultur

Heike Roegler

Für mich persönlich bedeutet Vielfalt eine Bereicherung. Ich muss mein Gegenüber, Andere, das Andere wahrnehmen, ggf. aus meiner eigenen Komfortzone heraus kommen, um zu einem Verständnis zu gelangen. Im Idealfall entdecke ich etwas, was mir besonders gut gefällt und ich mir aneignen möchte.

Was bedeutet das in Museen?

Die Objekte
Naheliegend ist es, an die Sammlung eines Hauses, an seine Objekte zu denken.
Im Museum gibt es Objekte jeglicher Art (wir sprechen von Flachwaren, 3D-Objekten, Gemälden und Drucken, Textilien oder Holz u.v.a.).

Persönliche Bezüge und kreative Zugänge können Anlässe geben, sich mit den Objekten auseinander zu setzen. Wo kommen sie her? Welche Geschichte haben sie? Ein Austausch mit anderen Menschen dazu ist wünschenswert. Interessant ist dann die Frage: Welchen Zugang hat dabei mein Gesprächspartner?

 SIND DIE GALIONSFIGUREN ZUM SPRECHEN ZU BRINGEN? - KINDERFEST IM ALTONAER MUSEUM

SIND DIE GALIONSFIGUREN ZUM SPRECHEN ZU BRINGEN? - KINDERFEST IM ALTONAER MUSEUM

Menschen sind vielfältig. Und unsere Gesellschaft verändert sich stetig.

Die Menschen
Ich wurde neulich gefragt, ob ich statt der Dinge nicht den Menschen mehr in den Fokus nehmen kann. Im Museum sind wir es gewohnt von den Dingen zum Menschen zu schauen, da sich in unserer Arbeit alles um die Objekte dreht. Wir sammeln sie, beforschen sie, bewahren und vermitteln sie. 

Interessant wird es, wenn man über die Auswahl der Dinge nachdenkt, denn sie verrät etwas über die verschiedenen Weisen der Welterzeugung der Menschen (Nelson Goodman), die ihnen zugrunde liegt.
Objekte mit ihren Geschichten (historisch wie aktuell)  geben auf diese Weise eine Menge Anlass zu vielfältigen Gedanken.

Heißt das also, dass Vielfalt selbstverständlich im Museum gegeben ist?
Nicht so ganz. Ehrlicherweise ist die klassische Museumswelt vom Bildungsbürgertum geprägt, obwohl es immer wieder den Ansatz der Bildung für alle gab.

Vielfalt durch Partizipation?
Aber es bewegt sich was. Vor allem in dem Bereich meiner Arbeit, in der Vermittlung, wird viel stärker in Richtung eines „partizipativen Museum, das Teilhabe aller gesellschaftlichen Gruppen fördert und Integration als wechselseitigen Prozess versteht“ (Deutscher Museumsbund) gedacht.

Der deutsche Museumsbund formuliert das so:

„In einer Einwanderungsgesellschaft, wie wir sie in Deutschland haben, führt die kulturelle Vielfalt auch in der Museumsarbeit zu einem Perspektivwechsel und einer Neuorientierung.
Dies folgt aus der Museumsdefinition des Internationalen Museumsrats ICOM, die Museen als gemeinnützige Einrichtungen „im Dienst der Gesellschaft und ihrer Entwicklung“ …  Ein Perspektivwechsel erlaubt einen neuen Blick auf das Museum und aus dem Museum heraus. Die aktive Mitwirkung der Besucher ermöglicht im Idealfall eine neue Verständigung über Geschichte und Gegenwart, Kultur und Umwelt und vieles mehr beschreibt.“

*Museen, Migration und kulturelle Vielfalt Seite 7
— http://www.museumsbund.de/wp-content/uploads/2017/03/leitfaden-kulturellevielfalt.pdf
 Historisches Spielzeug im Altonaer Museum.

Historisches Spielzeug im Altonaer Museum.

Fazit
Die Hamburger Museen finden auf viele Arten und Weise Wege, Teilhabe zu fördern. Kreativ, informativ, inklusiv. Dialoge entstehen sowohl nach außen, aber auch in die Häuser hinein, denn es sind alle gefragt, die Vielfalt der Kultur zu entdecken und transportieren.
Das ist nicht immer einfach und fordert auch mal heraus. Aber es ist bereichernd, weil wechselseitige Kommunikation stattfindet und ein gegenseitiges Verständnis entstehen kann.

Und all das ist ein Grund, warum ich meine Arbeit so mag, dass ich so viel entdecken und erfahren kann. Kultur ist Vielfalt und Vielfalt bereichert mich.

Abschließen möchte ich noch einmal mit einem Zitat des Deutschen Museumsbunds, das noch einmal die Vielfältig der Gesellschaft beschreibt.

„Es stellte sich heraus, dass je nach Einstellungen und Präferenzen, sozialer Lage und Bildungsgrad, die Wertschätzung und Nutzung kultureller Angebote zwischen den einzelnen Milieus stark differiert. Innerhalb der Milieus sind dagegen kaum Unterschiede zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund zu erkennen. Für die Museumsarbeit spielt deshalb das Wissen um soziale Milieus jenseitsethnischer Zuschreibungen eine wesentliche Rolle: „Menschen mit Migrationshintergrund“ gibt es nicht als eine homogene Zielgruppe, die mit speziellenAngeboten geworben werden könnte. Sie sind in allen sozialen Milieus vertreten. Dies bedeutet für die Museen, dass alle ihre Angebote der Vielfältigkeit der Gesellschaft Rechnung tragen sollten.“

* Museen, Migration und kulturelle Vielfalt Seite 11
— http://www.museumsbund.de/wp-content/uploads/2017/03/leitfaden-kulturellevielfalt.pdf

Der Beitrag ist auch auf dem Blog der LAG Kinder- und Jugendkultur Hamburg zu finden.

Beispiele der Hamburger Museumslandschaft
Im folgenden sind hier einige Projekte aus Hamburg aufgezeigt, die Museen als Orte im Dienste der Gesellschaft mit ihren vielfältigen Zugängen deutlich machen. Die Beschreibungen der Angebote sind weitgehend den Webseiten und Berichten der Häuser entnommen. 
 

KULTUR IST VIELFALT - Die Kampagne der LAG Kinder- und Jugendkultur Hamburg

Heike Roegler

Im Vorfeld der Bundestagswahl am 24. September 2017 startet die LAG Kinder- und Jugendkultur eine hamburgweite Kampagne für Vielfalt in der Kultur. 

Dazu gibt es viel zu lesen und schauen - auf einem begleitenden Blog, der sich Woche für Woche mit tollen Projektbeispielen, Gedanken und Stories zum Making off füllen wird.

Zum Blog geht es hier.

Man kann der LAG Kinder- und Jugendkultur auch auf Facebook und Twitter folgen und die Kampagne unterstützen. Der Hashtag lautet #kulturistvielfalt

Die Leitbildbroschüre der LAG Kinder- und Jugendkultur ist hier zum Download zu finden.

INTERNATIONALE KONFERENZ: ACROSS BORDERS. MUSEUMS ARTS & ALZHEIMER`S

Heike Roegler

Zur Konferenz
Die Einladung ins Lehmbruck Museum zur Konferenz "Across Borders" kam gleich auf mehreren beruflichen Wegen zu mir: über das Altonaer Museum und über das Projekt der Lokalen Allianzen für Menschen mit Demenz .

Sie fand im Rahmen des EU-Projekts MA&A – Museums Art und Alzheimer´s statt. Dessen Ziel ist "europäische Museumsexpertise zu vernetzen und gesammelte Erfahrungen zum Thema Kunst und Demenz über die Grenzen zu tragen."

Das klang interessant und ich habe dann auch einen inspirierenden Tag in Duisburg verbracht (Bahnfahrt inklusive). Vor allem die Teilnahme an den Workshops am Nachmittag hat Ideen gegeben und Spaß gemacht.

Partizipation von Anfang an
Mit Zugverspätung kam ich gerade noch pünktlich, um Peter Wißmanns (Demenz Support Stuttgart) Vortrag von Beginn an lauschen zu können.

Er setzt sich sehr dafür ein, Partizipation ernst zu nehmen. Es geht ihm dabei um die "Partizipation von Anfang an". In unserer Gesellschaft bedeute stattdessen das Betreuen von Menschen eher ein 'Handeln für' und weniger das 'Beteiligtsein an'.

Wißmann weiß aber auch, dass Partizipation ein Lernprozess ist. Der Weg ist für ihn klar:
"Nicht reden über, sondern reden mit!"

KuKuK
So arbeite auch "Demenz Support Stuttgart",  und Wißmann stellte "Kunst, Kultur, Kreativität" (kurz KuKuK)  vor – ein Projekt bei dem es darum geht "Artikulations- und Partizipationsformen für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen zu finden und zugänglich zu machen."

Mir hat besonders gut KuKuK TV gefallen und ich kann allen nur empfehlen rein zu schauen.

 Peter Wißmann

Peter Wißmann

Die CD REMINISZENZ
Eine spannende Zusammenarbeit gab es bei der Arbeit an der CD REMINISZENZ.  Der Musiker (Rap) Matten Köster (Mein Name ist Nase) stellte sie zunächst mit dem Video "Ich bereue nichts" vor.
Auf der CD finden sich Geschichten und Erzählungen älterer und größtenteils kognitiv beeinträchtigter Menschen, die in Gesprächen entstanden und zu Songtexten weiterverarbeitet wurden. 
Auch hier war Partizipation sehr wichtig. Es ist kein Song "über", sondern "mit" den Menschen entstanden. 
Matten Köster, der Arbeit mit den größtenteils kognitiv beeinträchtigten Menschen von seiner Tätigkeit im Altenheim her kennt, bestätigt, dass das Werkeln am Song ein ganz anderes Arbeiten als im Altenheim war. Durch die Partizipation "war der Umgang miteinander einfach ein anderer." Matten Köster hat dabei die Songs in Textform gebracht, zurück gespielt und immer wieder angepasst.
In "Ich bereue nichts" geht es um die 1960er, die Liebe, das Reisen – einfach das, was das Leben ausmacht. Bitte unbedingt reinhören!

 Peter Wißmann und Matten Köster

Peter Wißmann und Matten Köster

Gemeinsame Teilnahme an der Konferenz
Habe ich schon erwähnt, dass die älteren  und größtenteils kognitiv beeinträchtigten Menschen, von denen hier immer wieder die Sprache ist, übrigens selbst an der Konferenz teilgenommen haben? 
Das hat mich wirklich sehr beeindruckt. 
So waren auch Künstlerinnen des Videos anwesend und konnten ihren verdienten Applaus entgegen nehmen.

Zwei Zitate (von kognitiv beeinträchtigten Menschen), die ich vom Podiumsgespräch zum "Offenen Atelier" des Lehmbruck Museums, das Sybille Kastner und M. Ganß vorgestellt haben, notiert habe, möchte ich stellvertretend in diesem Zusammenhang anführen:

"Es hat uns beiden gefallen, obwohl wir keine Ahnung von Kunst haben!" und "Ich freue mich, dass etwas passiert."

Ich finde, sie fassen sehr gut zusammen, worum es gehen sollte: Partizipation und Zugänge, die auf viele (sinnliche) Wege gefunden werden können, wenn man offen dafür ist.

Die Workshops

Kunst und Poesie
In dem Workshop "Kunst und Poesie" mit Cristina Bucci (Museo Marino Marini) wurden wir alle ganz praktisch zu Poeten. Ausgang unserer gemeinsamem Aktion war eine Skulptur des Künstlers Erwin Wurm, der zurzeit im Lehmbruck Museum ausgestellt ist. Ziel war es, sich die Kunst gemeinsam anzusehen und ein Gedicht auszudenken.

Bucci sieht in der Poesie ein Meme zur bildenden Kunst. Sie (die Poesie) braucht ebenso wenige Worte, um Emotionen zu provozieren und damit Wege zur Kommunikation zu öffnen.

Die Kunst dient nach Bucci also dazu, Bezüge herzustellen und Dialoge zu ermöglichen. Das Museum ist der Ort, sich dazu treffen.

Für die Arbeit mit kognitiv beeinträchtigten Menschen im Museo Marin Marini gibt es ein Team, das aus Vermittlern und Pflegern besteht, die ihre Kompetenzen gemeinsam einsetzen.

Wichtig für die Workshops bzw. Führungen für kognitiv beeinträchtigte Menschen ist für Bucci eine Willkommenskultur, die sich u.a. darin zeigt, dass zu Beginn alle gemeinsam im Kreis sitzen und zunächst einmal begrüßen.

Alles beginnt mit der Beobachtung: Was siehst du?
Wir waren aufgefordert, einzelne Wörter für die Skulptur zu finden.
Ziemlich schnell kam unsere Gruppe zu emotionalen Betrachtungen. Die einen haben Mitglied mit dem kopflosen Herren, die anderen schmunzelten noch über die Unentschlossenheit der Figur.

Bucci machte darauf aufmerksam, dass hier schon viele Dinge mit einer Frage zusammen kommen. Man kommt beim Beobachten mit sich selbst in Kontakt und teilt sich der Gruppe mit. Und genau dies ist der wesentliche Kern des Angebots im Museo Marini: Kunst ansehen und mit anderen teilen, was wir sehen und sie (die Anderen) dabei zu schätzen lernen.

Bucci sieht darin einen großen Vorteil, den Museen haben. Sie bieten Raum, Erfahrungen zu machen.

Die Idee der Poesie
Bucci hat die Methode im MoMA über das sehr bekannte Programm meetme kennen und schätzen gelernt.

Allerdings stelle sie auch mit einem leichten Lächeln fest, dass die amerikanische Anwendung eben auch sehr amerikanisch und nicht italienisch war. "Doesn't fit to us ;-)" Wir teilen wohl mehr einen reservierteren Weg der Kommunikation und es war nötig, die Methode passend zu machen, einen Weg zu finden, den die Besucher des Museo Marini gehen würden.

Sprache ist sehr dicht an bildender Kunst. Sie löst eher etwas aus, als dass sie nur beschreibt. Mit den Wörtern kommen Gefühle hoch und so ist es leicht mit Poesie zu assoziieren.

Einzelne Wörter
Als nächstes las uns Bucci ein Kurzgedicht vor. Das Gedicht war von Roberto Piumini.  Das Gedicht L'alfabeto ist nach Buchstaben angeordnet und wir waren aufgefordert - ähnlich Piumini - ebenfalls Wörter nach Buchstaben zu finden. Auf diese Weise wurde spielerisch klar, wie einfach es sein kann, Wörter zu finden. Außerdem konnten wir quasi wären, woran die anderen dachten.

Hier eine kleine Sammlung unserer Wortssoziationen (in deutsch und englisch): 
Mann, Stillstand, unvollständig, abgespalten , powerful, sportive, sweet, lebensvoll, Hampelmann, Anzug, Hubabuba, well dressed, handicaped

Ein kurzer Satz
Im nächsten Schritt waren wir aufgefordert kurze Sätze zu bilden:

Ein Tänzer ohne Herz und Hand
Soll ich den Schritt wagen?
Gehen in zwei Richtungen, (die) mehr oder weniger komplett sind
Das Leben ist unvollständig
Bei mir ist noch etwas lebendig
Ich verliere mich
Ich bin Single
Steppen ist meine Welt
Unvollständig aber schwungvoll
La vie en rose
Why not
Da fehlt noch etwas

Gefühl
Und schließlich wurde noch ein Wort für das Gefühl zur Skulptur gesucht:

Incomplete, offen, too noisy, still alive, little smile, soft swinging, frohgemut, "The show must go on", stark sein, "I am what I am", cheerfully, selbstbewusst 

Zusammengesetzt ergaben alle unsere Wörter ein schönes und lustiges Gedicht, das ich, in übersetzen Form gerne noch posten werde (sobald ich es erhalten habe).

Music Movement Museum
In dem Workshop "Music Movement Museum" ebenfalls mit Cristina Bucci (Museo Marino Marini) ging es wieder um die Frage, wie kann Kunst helfen zu kommunizieren?

Das Thema "Tanz" ist nach Bucci ein großes Thema im Museo Marini, da Bewegung für den Künstler Marino Marini einfach essenziell für die Arbeit (an seinen Skulpturen) war.

Wie bereits bei dem Programm "Kunst und Poesie", gibt es ein Team, das für das Programm zuständig ist. Es besteht aus jeweils zwei Vermittlern und Pflegern und einem Musiker sowie einem Tänzer. Live Musik ist nach Bucci wichtig für die Interaktion.

Wesentlich für das Programm ist: Jede Bewegung trägt zur Choreografie bei.

Bucci beschrieb, dass die Teilnehmer auch hier wieder in einem Stuhlkreis im Sinne der Willkommenskultur zusammen kommen.

Für den Tanz ist es übrigens nicht erforderlich, laufen zu können. Auch Bewegungen im Rollstuhl sind möglich. Und jede Bewegung wird nach Bucci geschätzt.

Das Programm
Im folgenden gibt es eine kurze Beschreibung des Programmablaufs.

Das Vorstellen
Die Teilnehmer stellen sich gegenseitig mit einer Geste vor, die sie ausdrückt bzw. darstellt.
Das "Warmup" dient dazu, sich mit Bewegungen wohl fühlen und zeigt, wie wichtig es ist, dies mit anderen zu kommunizieren.

Die Choreografie
In dem Programm beginnt der Tänzer schließlich sich nach der Musik zu bewegen und alle folgen. Jeder macht es auf seine Art, egal wie einfach oder schwer die Bewegung zu sein scheint. 
Als Hilfsmittel gibt es Stoffe aus Tüll u.a. Wichtig ist es nach Bucci, Raum zu entdecken und gewinnen.

Wer sich nicht bewegen möchte, kann Instrumente nutzen um teilzunehmen.

Vor der Kunst
Im Anschluss wird sich vor der Kunst bewegt. Dazu wird sie zunächst betrachtet, um dann gemeinsam eine Choreografie zu erstellen. Neben den Bewegungen, die der Tänzer bereits mitgebracht hatte, werden eigene Gesten zum Beschrieben der Kunst mit aufgenommen.

Das Museum
"It is an experience that we do inside the museum" - hier beschreibt Bucci zusammenfassend das wesentliche des Angebots: Es geht um eine Erfahrung, ein Gefühl, die im Museum entsteht.

Meine Bewegung vor Kunst
Natürlich haben wir uns auch in diesem Workshop selbst ausprobiert. In Ermangelung eines Musikers (der Rap fand zeitlich in einem anderen Workshop statt) haben wir für das Lehmbruck Museum einfach das dort nahe liegende genutzt, eine Tinguely Skulptur.

Nach kurzer Beobachtung der Bewegungen, haben wir selbst einzelne Elemente nachgemacht. Interessant war für mich zu beobachten, dass ich zwar eine Bewegung gesehen haben, die mir aber im Nachmachen nicht lag und ich eine neue Bewegung suchen musste.
In diesem Moment war ich völlig in meinen eigenen Beobachtungen und Bewegungen versunken.
Später haben wir uns in der Gruppe dann unsere Bewegungen vorgestellt und nachgemacht, also wieder kommuniziert.

Mein Fazit?
Mir haben die  sinnlichen bzw. emotionalen Zugänge in den Workshops zunächst einmal selbst viel Spaß gemacht.
Die Erfahrungen, die man im Museum eben auch ohne Zahlen, Daten und Fakten machen kann, die Bezüge, die ich selbst in den Workshops gefunden habe, sind etwas, was meine Freude an der Arbeit des Vermitteln ausmacht.

Auf der Tagung ging es stets um Kunst, doch ich würde das gerne auf "Objekte" ausdehnen wollen, da ich in einem historischen Museum arbeite. Alltagsgegenstände ermöglichen sicherlich andere Assoziationen, doch ich sehe in der Art und Weise des Schaffens von Zugängen keinen wesentlichen Unterschied.

Auf zum Dichten und Tanzen!

 

 

 

Was sind unbemerkte Momente?

Heike Roegler

Die neue Ausstellung der Foto Clubs der VHS zeigt ein paar Gedanken, die wir uns dazu gemacht haben. 

Mir gefallen die vielen Geschichten, die sofort im Kopf entstehen, wenn man auf die Fotos schaut.

Einladung zur Abschlussveranstaltung - Verankert in Hamburg

Heike Roegler

Das Altonaer Museum hatte die Gelegenheit zusammen mit den Deichtorhallen an dem Projekt "Verankert in Hamburg" vermittelt über den Museumsdienst Hamburg teilzunehmen.

Nachdem im ersten Durchlauf zum Projektende eine Ausstellung in den Deichtorhallen stattfand, sind nun kleine Bücher mit den Arbeiten der Teilnehmer entstanden.

Ich bin ganz begeistert von den Ergebnissen, die ich schon als PDF sehen konnte. Deswegen gibt es nun also den Post, um viel Aufmerksamkeit und Besucher am 12. Juli in die Vierländer Kate im Altonaer Museum zu bekommen. 

Die Kooperation mit meinen lieben Kollegen macht immer sehr viel Spaß. Ich bin jedes Mal verblüfft, was für tolle Fotos entstehen. Die Kinder und Jugendlichen haben einen speziellen Blick, zu denen André Lützen ihnen "wie nebenbei" Zugänge verschafft.

Darüber hinaus ist das Vernetzen in der Stadt und zwischen den Museen etwas, was mir auch sehr gut an dem Projekt gefällt. Die Kinder und Jugendlichen bewegen sich an ihre Orte und lernen dazu neue kennen.

Folgende Projekte werden sich am 12. Juli vorstellen:

Um die Ecke entdeckt – 
 9- und 10-jährige Kinder aus aller Welt des Telemann-Horts in Hasselbrook präsentieren ihren Blick auf die Stadt und die Menschen.

Verankert in Hamburg – Stadtgeschichten neu entdeckt
Hamburger Jugendliche finden Museen, suchen eigene Motive und machen ein Buch.
 

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Verankert in Hamburg  - Stadtgeschichten neu entdeckt« ist ein Projekt des Museumsdienstes Hamburg im Rahmen der Initiative ‚Kultur macht stark’ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gefördert durch den Deutschen Museumsbund e.V.. Ab März 2016 beteiligen sich insgesamt acht Hamburger Museen – je ein historisches im Verbund mit einem Kunst oder Kulturhistorischen Museum – zusammen mit acht Trägern der Jugendhilfe an dem Kooperationsprojekt „Verankert in Hamburg - Stadtgeschichten neu entdeckt“. Mit dem Projekt möchte der Museumsdienst Hamburg Jugendliche im Alter von zwölf bis achtzehn Jahren dabei unterstützen, in möglichst altershomogen zusammengesetzten Gruppen einen ganz persönlichen Zugang zu der breitgefächerten Museumslandschaft der Hansestadt zu finden. Innerhalb der Projektmaßnahmen sollen die Jugendlichen sich und ihre sozialräumliche Lebenswelt konkreter wahrnehmen und hinterfragen lernen. Sie entdecken die Bedeutung vermeintlich „kleiner, alltäglicher Dinge“ vor ihrer Haustür sowie deren Ästhetik und suchen Anknüpfungspunkte in den Museen.

Das neue kju zum Thema Nachhaltigkeit ist da

Heike Roegler

kju - Aktuelles Heft
Themen des aktuellen Heftes (Ausgabe 49, Sommer 2017) u.a.:
SCHWERPUNKTTHEMA: Nachhaltigkeit
FÄRBERGÄRTEN: Eine Idee aus dem Ruhrgebiet geht um die Welt
SCHATZKISTEN: Hanseatische Materialverwaltung und remida
FÖRDERUNG: Was die freie Szene in Hamburg wirklich braucht
INTERVIEW Kultursenator Carsten Brosda im Gespräch
— http://www.kinderundjugendkultur.info/files/kju_17_02_web.pdf

3. Weiterbildungstag. Lesen fördern - Welten öffnen

Heike Roegler

Bei bestem Sonnenschein habe ich mich heute auf den Weg zum LI - dem Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung - gemacht, denn heute war Weiterbildungstag für ehrenamtlich tätige Lesepatinnen und Lesepaten sowie Vorleserinnen und Vorleser.

Das Programm war sehr umfangreich und spannend. Ich habe mich gefreut, einen Teil dazu beitragen und meine Begeisterung für die digitalen Lesewelten teilen zu können.

Nach einer theoretischen Einführung in das Thema haben wir uns gemeinsam Apps angesehen und ausprobiert. Dabei konnten wir uns austauschen, was jeweils wie in der alltäglichen Arbeit möglich wäre oder nicht.

Die Lesepaten von Mentor.Ring Hamburg e.V. lesen in einer 1:1 Situation: Gesprächsanlässe und Sprachförderapps sind als Teil der Arbeit vorstellbar, allerdings eher als eine Ergänzung. Interessant wird es, wenn kleine Geschichten erlesen und erkundet werden können.

Wie immer ist die Frage nach dem "Wo findet man gute Apps" eine große Frage, die sich leider nicht einfach beantworten lässt.

Trotzdem möchte ich hier auf zwei Webseiten verwiesen.

Die Empfehlungen der Stiftung Lesen

und

Apps für Kinder die Datenbank des Deutschen Jugendinstituts 

 

Barrierefreiheit und Inklusion im Museum

Heike Roegler

Das Thema Inklusion beschäftigt mich schon eine Weile. Gerade in der Vermittlung macht es viel Sinn, Inhalte inklusiv - für alle - zu denken . 

Das Altonaer Museum ist barrierefrei ausgestattet. Rollstühle stehen gehbehinderten Besuchern kostenlos zur Verfügung, barrierefreie Aufzüge führen in sämtliche Ausstellungsräume und in die Bibliothek. Ein Behindertenparkplatz befindet sich vor dem Altonaer Museum, eine Türklingel für Rollstuhlfahrer ist am Eingang. Für den Besuch des KINDEROLYMPS in der 3. Etage und des Sonderausstellungsraums im Dachgeschoss steht kein Fahrstuhl, aber ein Treppenlift zur Verfügung.

Im Altonaer Museum bieten wir Führungen für demenziell Erkrankte und ihre Familien an. Das Programm nennt sich "Augenblick mal!" und läuft inzwischen ein knappes Jahr. Die Idee ist, eine Gelegenheit zu gemeinsamen Erleben zu geben. Wir sind ein historisches Museum und zeigen auch Alltagsgegenstände, die in diesem Rahmen Gesprächsanlässe geben.

Es gibt bei uns im Haus auch Werkstätten wie "Planet Willi" , die das Hamburger Kinderbuchhaus zum Thema Leben mit Downsyndrom für Hamburger Schüler anbietet. Das Angebot ist eine sehr schöne Möglichkeit, einfach Offenheit und Begegnung zu schaffen. Und gerade Kinder sind dabei sehr unprätentiös. Es geht um das Buch "Plant Willi" der Illustratorin Birte Müller, in dem sie das Leben mit ihrem Sohn Willi in der Familie beschreibt (er kommt von Planeten Down, seine Schwester Olivia vom Planeten Normal).

In meinem Büro steht eine Kiste mit Objekten, die wir (immer mal wieder) zur Vermittlungsarbeit geschenkt bekommen haben. Denn Sachen zum Anfassen sind natürlich super. Und meine Kollegen, die die Sammlung betreuen, sprechen potenzielle Schenker auf das Thema an und denken in diesem Sinne mit.

Über meine Kollegin Martina Bergemann vom Museumsdienst Hamburg haben wir auch immer die Möglichkeit, Führungen in deutscher Gebärdensprache anzubieten. Martina kennt das Haus gut und arbeitet sich in alle neuen Sonderausstellungen ein.

Schaue ich also auf mein Arbeitsumfeld, bin ich ganz erfreut über die Dinge, die es hier schon gibt.

Gerne würde ich das Thema noch weiter vertiefen. Dafür gab es im Juni (17) gleich doppelt die Möglichkeit - bei der Frühjahrestagung des Museumsverbands Schleswig-Holstein und Hamburg sowie beim Runden Tisch "Barrierefreie Kulturstätten" der Behörde für Kultur und Medien Hamburg.

Zusammenfassend kann man zur Tagung (Notizen zur Tagung sind hier zu lesen) sagen, dass Museen inzwischen weiter denken als rein baulich. Es geht um mehr als die bauliche Barrierefreiheit. Inklusion ist eine Haltung eines ganzen Hauses hin zu allen Besuchern. 
Angebote wie Sinnesnationen, Texte in Alltagssprache usw. nehmen mit und regen an, sich auf Themen einzulassen und Welten zu erkunden.
Inklusion bedeutet eine Öffnung und neue Orientierung - nicht nur nach außen, auch nach innen.

Das zeigt sich auch beim Runden Tisch "Barrierefreie Kulturstätten" in Hamburg. Initiiert von der Behörde für Kultur und Medien denken hier Kulturschaffende gemeinsam über das Thema nach, informieren sich und arbeiten zusammen (z.B. an Adresslisten), erörtern Fragen, geben sich praktische Tipps usw. Auch Berichte beispielsweise zur Inklusion in England werden geteilt.

Das Thema Inklusion ist wichtig. Es trägt der diversen Gesellschaft Rechnung und ermöglicht eine Öffnung hin zu Austausch, gemeinsamen Denken und Explorieren. Mir gefällt das sehr, denn Kultur ist Vielfalt. Es macht Spaß, weiter daran zu arbeiten und der Vielfalt unserer Gesellschaft einen Raum (im Museum) zu geben. 

 

 

Viele Grüße ...

Heike Roegler

Morgen ist wieder Kinder Leseclub Zeit. Wir werden eine Geschichte von einer Giraffe und einem Pinguin lesen, die sich reizende Briefe schreiben. Kennen tun sie sich nicht und rätseln auch doll darüber, wie der/die andere wohl aussehen mag. Ein Brief folgt dem anderen ...

Das Buch "Viele Grüße, Deine Giraffe" von Megumi Iwasa und Jörg Mühle hat mich zur Vorbereitung unserer Aktion zum Buch in die Papierkiste schauen lassen. Gefunden habe ich Papier, Klebstreifen und Briefmarken. Es wird wirklich Zeit mal wieder Briefe zu schreiben. 

Und wenn dann noch so reizende Briefträger wie in der Geschichte die Post vorbei bringen, dann macht das Schreiben nochmal mehr Spaß.

Ich freue mich und bin gespannt auf die kommende Post.

Zusammenfassung der Frühjahrestagung des Museumsverbands Schleswig-Holstein und Hamburg 2017

Heike Roegler

Am 12. Juni fand die Frühjahrestagung des Museumsverbands Schleswig-Holstein und Hamburg zum Thema Barrierefreiheit und Inklusion im Schloss Ahrensburg statt.

Hier folgen einige Notizen zu den Vorträgen:

Prof. Dr. Jörn Henning Wolf stellte in seiner Begrüßungsansprache auf der Frühjahrestagung das Thema "Barrierefreiheit und Inklusion in Museen" als DAS aktuelle Anliegen der Museen vor.

Die Realisierung sei in den Häusern höchst verschieden,  nur schritt- und stufenweise vollziehbar, aber seiner Meinung nach sehr wichtig. Denn, Barrierefreiheit und Inklusion gehört für ihn zu den vielfältigen Handlungsprozessen, um sich zeitgemäß zu positionieren.

Es gehe dabei auch um Ansprüche von Gesellschaft und Politik, Bildung, Wissen, Information sowie kulturelle Erlebnisse für alle Menschen zugänglich zu machen. Die Anerkennung, Gewährleistung und absehbare Erreichung des Prinzips der Inklusion zur Gewinnung und Bereicherung von Zielgruppen sollte das Ziel sein. 

Museum wandeln sich laut Wolf vom Musentempel zum Lernort für alle. 
Wolf verwies nochmals auf den Leitfaden des Deutschen Museumsbunds, Bundesverbands Museumspädagogik und Bundeskoempetenszentrums Barrierefreiheit.

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Prof. Dr.Ulrich Hase sprach in seinem Vortrag über die Rahmenbedingungen zur Barrierefreiheit.
Sein wesentlicher Hinweis: Barrierefreiheit ist von Anfang an zu planen, es wird schwer im Nachhinein etwas zu ergänzen, dann ist meist nur noch ein Kompromiss möglich. Hase plädierte daher sehr dafür, bereits in Ausschreibungen  Barrierefreiheit festzuschreiben.

Für ihn ist Inklusion ein Begriff der gesellschaftlichen Öffnung für Menschen mit Behinderung und zwar im Sinne von: für alle (Universal design - planen und bauen für alle).

Hase trennt die Begriffe Integration im Sinne von Personalplanung und Inklusion im Sinne von systematisch.

Barrierefreiheit bedeutete bisher, Zugänge überhaupt zu schaffen. Gegenwärtig solle es weiter gehen, darum, ein Gesamtkonzept für alle zu schaffen.
Hases Wunsch wäre es, in das Landesbaurecht die Barrierefreiheit fest zu schreiben (wie den Brandschutz). Themen wie Licht, Höhe/Breite usw. könnten aufgenommen werden.

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Ingrid Körner (Senatskoordinatoren für die Gleichstellung Behinderter) kennt das Problem von Museen in Bezug auf Barrierefreiheit, sie sind oftmals in alten Beständen untergebracht und umfangreiche Umbauten sind nötig.

Dazu kommt - vor allem in Kunstmuseen - die Frage nach der Ästhetik von Ausstellungen, wie geht man z.B. mit Kontrastfarben oder Beleuchtung um, wenn die Wirkung gezielt eingeplant ist?

Körner weiß aus ihrer langjährigen Arbeitserfahrung,  gemeinsam (im Schulterschluss mit Betroffenen) wird es möglich, zu handeln.

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Spannend ist das Projekt PILOT INKLUSION - Ein Kooperationsprojekt Bonn - Hamburg- Freiburg - Weimar.

Birgit Tellmann (Bundeskunsthalle) stellte als Erste (und Projektantragstellerin) in der Runde der beteiligten Museen das Pilotprojekt vor.
Der Pilot  ist ein Versuch der Zusammenarbeit von Museen, um allgemeinere Wege und Lösungen aufzuzeigen. Tellmann ist sich allerdings sicher, es wird keine Patentlösung geben, denn Museen sind  unterschiedlich, auch  unterschiedlich in regionaler Einbindung.

Anstoß für das Projekt war nach Tellmann die Frage nach dem, was nach der UN Konvention von 2009 in den Museen bisher geschehen war. Eine Frage nach Lösungen war in den Häusern durchaus vorhanden, die aber meist individuell abgestimmt waren und keine gemeinsame Handlungsorientierung vorsahen.
So kam die Bundeskunsthalle dazu, 2015 beim BKM  einen Antrag für ein Förderprojekt auf drei Jahre in Kooperation mit weiteren Museen zu stellen.

Tellmann formulierte deutlich, dass Barrierefreiheit und Inklusion (und auch als Ergebnis der Arbeit) in den Museen kuratorisch von Anfang an mit gedacht werden müsse, um erfolgreich zu sein.

Zielsetzungen des Pilots sind:
- (Ausstellungs)Gestaltung für alle denken - neuer kuratorischer Ansatz (sensorisch)
- Inklusion als Haltung implementieren
- Netzwerke ausbilden

Die Bundeskunsthalle hat dafür Inklusive Module erdacht, die mediale, personale, handlungsorientierte Vermittlungsmethoden und Module für drei thematische Ausstellungen liefern sollten und zurzeit erprobt werden.

Dieser Prozess führte vom Modul bis hin zum Inklusionskonzept.

Während des Prozesses  wurde die Komplexität von internen und externen Schnittstellen deutlich  - Fragen wie:  wer spricht mit wem? (Kurator, Vermittler, Gestalter) mussten immer wieder abgestimmt werden. Bei Abstimmungen  wurde weitgehend  die Vermittlung den kuratorischen Konzepten übergeordnet.

Dabei wurde deutlich: Man muss sich viel Zeit nehmen, wenn man mit allen Experten zusammen arbeiten will/muss (Kurator, Gestalter, Vermittler).
Denn, das Haus inszeniert die Kunst, und es ergeben sich unweigerlich Probleme bei der Erstellung inklusiver Konzepte wie z.B. das Ausleuchten richtig zu lösen sei (Kontraste oder keine? Inszenierung versus Wege erkennen können). Dabei höre ein Kurator dann schon mal eher auf den Gestalter.

Ein wichtiges Element für die Bundeskunsthalle war in dem Pilot das Thema der  Partizipation. Das Interesse an Besucherperspektive ist wichtig, will man das Museum als Ort der Begegnung etablieren.
Tellmann: "Wir sind eine diverse Gesellschaft und die Museen müssen sich dahin ändern."

Bisherige Ergebnisse der Arbeit sind inzwischen:
- Es müssen Schnittstellen und Kompetenzen definiert werden,
- die Partizipation muss gestaltet werden,
- der Museumsbegriff ist neu zu beleuchten,  
- eine Willkommenskultur und Atmosphäre sind erforderlich.

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Silke Oldenburg stellte für das MKG die neuen Zugänge zur Sammlung Jugendstil im Rahmen des Pilots vor.

Ohne den Pilot wäre das MKG mit dem Thema Inklusion und Barrierefreiheit  nicht da, wo es bis jetzt ist. Denn wie bereits mehrfach auf der Tagung angesprochen, ist es (leider) auch immer ein finanzielles Thema.
Mit der Teilnahme am Projekt konnten die Finanzfragen gelöst werden und wurde die damit verbundene Verpflichtung Antrieb zum Handeln.

Zur Ausgangslage:
Die Sammlung Jugendstil ist ein großes Herzstück des Hauses. Es gibt ästhetische Orte, die als Raum funktionieren. Das heißt, es musste mit dem Ort gearbeitet werden.
2015 wurde der Umbau neu eröffnet, also war es für den Pilot nicht mehr möglich, Inklusion von Beginn an zu denken.

Ziel wurde es, nachträglich kleine Dinge zu bewegen und Bildung für alle zu ermöglichen. Das MKG arbeitet hier mit einem erweiterten Inklusionsbegriff: dem der sozialen Inklusion.

Heraus gekommen sind:
- Ein Begleitheft in Alltagssprache (zusammen mit Lebenshilfe in Hamburg erstellt) Interessant ist, das min. 80% Besucher nehmen inzwischen das Heft, die Wandtexte sind nicht mehr so relevant. Das hat Denkprozesse im Haus ausgelöst.
- Es gibt Tastmodule und Fliesen als "Hands on Station" zu ertasten
- Für die digitale Welt wurde das Portal "Bewegte Jahre" erstellt - eine Webseite, die die Epoche erklärt
Es gibt zum Portal eine Postkarte in Braille.

Ergebnisse:
Es entstehen keine Mehrkosten, wenn die Vorgaben von Anfang an bedacht werden. Das Umdenken muss sukzessive passieren.
Die Inklusion ist eine große Chance, sich als Haus insgesamt zu öffnen.

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Angelika Zinsmauer stellte die Städtischen Museen Freiburg auf dem Weg zur Inklusion vor.

Für sie beginnt die Inklusion im Kopf, sie ist eine Frage der Haltung.

Zurzeit befindet sich das Augustinermuseum im Umbau, was zu guten Chancen führt, die Maßnahmen einzuhalten.

Die Herausforderungen hier sind die personelle Vermittlung, Ausstellungen und Museumsbauten zusammen zu führen.

Das Museum ist extrem ästhetisch gestaltet. Grundvoraussetzung für alles sei, dass die Leitungsebene mitgehen müsse.

Während der Planung wurde von Expertenwissen eingebunden. Beraten haben der Gehörlosenbund, das Nachbarschaftswerk, Gebärdendolmetscher, Stadt-Lamd Demenz e.v., der Behindertenbeirat Stadt Freiburg, die Caritas, die Behindertehnwerkstätten, ...

Herausgekommen sind gemeinsame Vermittlungsangebote, Sinnesmodule usw.

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Dr. Elke Kollar sprach für das Stadtschloss Weimar von dem Weg zu inklusiven Ansätzen.

Vorteil für den Pilot war hier, dass die Klassik Stiftung viele unterschiedliche Bereiche aufzuweisen hat, die  mehr Erfahrungen bieten.

2015 wurde Bildungskonzept neu geschrieben, in dem Partizipation und Inklusion fest geschrieben sind. Zurzeit gibt es große Bauvorhaben, u.a. soll das Sadtschloss neu geplant und bis Anfang 2022 fertig gestellt werden.

Der Pilot in Weimar dreht sich um die Frage wie man Angebote schaffen kann, die die Grundbedürfnisse verschiedener Menschen berücksichtigt. Auch hier wird mit der sozialen Inklusion gearbeitet.

So haben sich die Kollegen z. B. dem Thema Sitzen gewidmet und sich dazu die Frage gestellt, wie man dazu auch einen Objektbezug stärken kann? Sie haben das Bedürfnis der Besucher, sich zu setzen, mit inhaltlichen Fragen verbunden. Wie  sitzt man denn im 18. Jahrhundert? Dass Macht dabei eine wesentliche Rolle spielte, führte dann zur Konstruktion der Besucherhocker, die in verschiedenen Höhen und Bequemlichkeiten das Thema Macht aufgreifen.
Die Hocker, die es nun in den Ausstellungen gibt, laden zum Ausprobieren ein. Es gibt unterschiedliche Sitzhöhen und Materialien.

Das Stadtmuseum hat bei seinen Überlegungen mit Personas gearbeitet und Besuchertypen entwickelt, sich nach ihren Interessen, Bedürfnissen und Wegen gefragt.

Bei der Entwicklung des Eingangsportals, neuer Besucherräume usw. wurde klar festgelegt, Inklusion muss einladend wirken und willkommen heißen.
Dazu ist ein Prozess intensiver Verständigung unter allen Beteiligten nötig.

Leselotte - Picknick mit Büchern

Heike Roegler

Sommer, Wochenende und ein paar schöne Bücher ...

Die Seiteneinsteiger haben sich dazu ein tolles Angebot ausgedacht. Im Rahmen von Sommer in der HafenCity ist die Leselotte mit Picknickdecken, Strandmuscheln und Naschereien dabei.

Besucher sind Kinder und ihre Erwachsenen. Sie kommen vorbei, entdecken Bücher und lesen sich entspannt auf der Wiese fest.

Es macht großen Spaß das Angebot zu betreuen. Inzwischen kennen wir gar schon einige der Besucher, die gerne immer wieder kommen.

Die weiteren Termine in diesem Jahr sind der 9. Juli und der 27. August.
Ich freue mich schon drauf.

Talking about reading promotion with editors from south-east asians

Heike Roegler

As part of a study trip for asian children book editors - organized by the Frankfurt Book Fair - I got the opportunity to meet and talk with these very interested and kind people. My part was to talk about reading promotion, especially in the field of digital reading promotion.

We were meeting at the betahaus, a coworking space in Hamburg.  Together with Philipp Knodel from AppCamps we presented some of our work.

During our talk we discovered through all the differences we all have the the same interests,  which is working with teachers, educators and parents to promote and teach story telling in the digital era, and basically how to create emotions and fun by reading and getting into the world of fantasy and creativity.

A gift from Thailand